Tafel 1: Der Weg der Bettler
Infotafel beim Einstieg in den Bettlerweg auf Pardiel (Pizol)
Dem alten Pfad auf der Spur – Warum heißt er Bettlerweg?
(Text: Töni Brunold, Bad Ragaz)
Der Wind streicht durch das hohe Gras, der Calanda ragt in den Himmel. Du gehst den alten Bettlerweg – ein Pfad, der Fragen aufwirft: Wer zog hier früher entlang und warum dieser Name?
Der Bettlerweg war für viele der einzige Zugang zur Hilfe. Arme, Ausgestossene, Pilger – sie zogen hierher, auf der Suche nach einem Stück Unterstützung. Bettler bezeichnete einst jemanden, der um Hilfe bat, aber auch jemanden, der durchzog und der keinen festen Wohnsitz hatte.
Der Weg führte auch zu Salz – dem wertvollsten Gut dieser Zeit, das so wichtig war wie Gold. Ohne Salz konnte man nicht konservieren, nicht tauschen, nicht überleben. Das Kloster Pfäfers besass in Rankweil einen Salzhof, von dem aus das Salz über viele Pfade in die Alpen zum Braunvieh und den Menschen gelangte.
Hier tauschte man, was man hatte: Milch gegen Salz, Käse gegen Brot. Salz wurde zur Währung, zur Brücke zwischen Tälern und Menschen. In einer Welt ohne stabiles Geld war der Tauschhandel oft gerechter – wertbeständiger als jede Münze.
Doch es waren nicht nur Waren, die den Weg passierten – auch Nachrichten zogen mit den Wanderern. Ohne Telefon, ohne Radio, brachten sie Neuigkeiten, Warnungen, Geschichten. Der Bettlerweg wurde zur unsichtbaren Lebensader, durch die das Wissen der Zeit wanderte – tröstlich oder bedrohlich, aber immer menschlich.
Auch die Jäger waren mit diesem Weg vertraut. Sie hielten sich vor allem bei den «Köpfen» wie dem Vasanachopf, Schlösslichopf oder Tagweidlikopf auf, immer auf der Pirsch. An bestimmten sandigen Felsen – sogenannten «Sulzen» lecken Gemsen den Boden, um wichtige Mineralien aufzunehmen und ihren Appetit anzuregen. Dieses Verhalten lockte auch Jäger an, die sich bei solchen Plätzen auf die Tiere ansetzten.
Nun gehst du ihn – den Bettlerweg, einen Weg, der uns nicht nur die Landschaft zeigt, sondern auch die Geschichte von Menschen, die durch schwere Zeiten gingen und sich gegenseitig unterstützten.
Dass der Bettlerweg bis heute weiterlebt, zeigt auch die Unterstützung durch die Ortsgemeinden Bad Ragaz und Valens-Vasön, sowie dem Jodlerklub Alperösli. Im Wappen der Gemeinde Bad Ragaz steht das Tatzenkreuz – ein uraltes Zeichen für Schutz, Hilfe und Mitgefühl. Es erinnert uns daran, dass Menschlichkeit zeitlos ist. So bleibt der Weg offen – für Erinnerungen, Erkenntnisse und neue Begegnungen, die den Geist vergangener Zeiten weitertragen.
Die Geschichte
Der Bettlerweg führt von Pardiel über das Zanuztäli auf die Valenser Alpen Tristeli, Branggis und Lasa. Nach Pardiel gelangt man von Bad Ragaz aus, aber auch von Vilters, über den Herrenboden oder über Vilterserälpli / Vilterseregg. Valens mit seinem Alpgebiet war Teil des ehemaligen Klosters Pfäfers. Zur Zeit der Landvögte war das Sarganserland noch Untertanengebiet. Die Vögte wollten keine Bettler in Ihren Gemarkungen dulden. Sie wurden verjagt oder sogar eingesperrt. Die Benediktinermönche des Klosters Pfäfers wiesen selten einen Bettler, oder ein um ein Almosen Bettelnden von Ihren Pforten. Das sprach sich in der Gilde dieser Zunft herum und so wurde nach allen möglichen Zugängen ins Klostergebiet gesucht. Der Weg durch die Talebene war der vielen Häscher der Vögte wegen der Beschwerlichere und so war der Weg durchs Zanuz hoch über dem Taminatal ein willkommener Durchschlupf. Neben dem Kloster war zu dieser Zeit in den Sommermonaten auf Alpen und Maiensässen vielleicht wenigstens ein Schluck frische Kuh- oder Geissmilch oder ein Rest Nidelbrot zu ergattern, obwohl die Bauernzunft damals auch nicht im Überfluss lebte. So soll der Zanuzweg, der ehemals, als das Zanuz noch zur Ortsgemeinde Valens gehörte, der Viehtriebweg war, zum Bettlerweg geworden sein. Ganz extrem soll es zur Zeit der Franzosenbesetzung, also Ende des 18. Jahrhunderts gewesen sein. Im Sarganserland herrschte grosse Hungersnot. Die Franzosen waren überall, in der Sarganserebene, in Vättis, ja sogar im alten Bad Pfäfers. Sie sollen alles geraubt haben. Auf den Bauernhöfen war fast kein Vieh mehr zu finden. Auch das Kloster Pfäfers hatte trotz damals hohem Ansehen schwer unter dieser Besetzung zu leiden. Trotzdem soll es jeden Tag eine sogenannte „Armensuppe“ gegeben haben, dies auch in der Pfarrei Valens. Viele hungrige Leute sollen damals den Bettlerweg aus Angst vor den Franzosen benützt haben, von denen es im Tal wimmelte, und die Gefahr gross war, von diesen völlig ausgeraubt oder umgebracht zu werden. Nicht die Schönheit der Berge, sondern der Hunger trieb die Leute durch den Bettlerweg.
Wandern auf den Spuren der Bettler
Heute ist eine Wanderung auf dem Bettlerweg das reinste Vergnügen. Verbunden mit einer Einkehr auf Pardiel, in der Pizolhütte oder unten im Tal im Restaurant Zanai, muss auch niemand mehr Hunger leiden. Wer seine Verpflegung lieber selbt mitbringt, findet bei der Alp Lasa ein tolle Grill- und Picknickstelle mit herrlichem Panorama.
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