Der Weg der Bettler
Dem alten Pfad auf der Spur – Warum heißt er Bettlerweg?
Der Wind streicht durch das hohe Gras, der Calanda ragt in den Himmel. Du gehst den alten Bettlerweg – ein Pfad, der Fragen aufwirft: Wer zog hier früher entlang und warum dieser Name?
Der Bettlerweg war für viele der einzige Zugang zur Hilfe. Arme, Ausgestossene, Pilger – sie zogen hierher, auf der Suche nach einem Stück Unterstützung. Bettler bezeichnete einst jemanden, der um Hilfe bat, aber auch jemanden, der durchzog und der keinen festen Wohnsitz hatte.
Der Weg führte auch zu Salz – dem wertvollsten Gut dieser Zeit, das so wichtig war wie Gold. Ohne Salz konnte man nicht konservieren, nicht tauschen, nicht überleben. Das Kloster Pfäfers besass in Rankweil einen Salzhof, von dem aus das Salz über viele Pfade in die Alpen zum Braunvieh und den Menschen gelangte.
Hier tauschte man, was man hatte: Milch gegen Salz, Käse gegen Brot. Salz wurde zur Währung, zur Brücke zwischen Tälern und Menschen. In einer Welt ohne stabiles Geld war der Tauschhandel oft gerechter – wertbeständiger als jede Münze.
Doch es waren nicht nur Waren, die den Weg passierten – auch Nachrichten zogen mit den Wanderern. Ohne Telefon, ohne Radio, brachten sie Neuigkeiten, Warnungen, Geschichten. Der Bettlerweg wurde zur unsichtbaren Lebensader, durch die das Wissen der Zeit wanderte – tröstlich oder bedrohlich, aber immer menschlich.
Auch die Jäger waren mit diesem Weg vertraut. Sie hielten sich vor allem bei den «Köpfen» wie dem Vasanachopf, Schlösslichopf oder Tagweidlikopf auf, immer auf der Pirsch. An bestimmten sandigen Felsen – sogenannten «Sulzen» lecken Gemsen den Boden, um wichtige Mineralien aufzunehmen und ihren Appetit anzuregen. Dieses Verhalten lockte auch Jäger an, die sich bei solchen Plätzen auf die Tiere ansetzten.
Nun gehst du ihn – den Bettlerweg, einen Weg, der uns nicht nur die Landschaft zeigt, sondern auch die Geschichte von Menschen, die durch schwere Zeiten gingen und sich gegenseitig unterstützten.
Dass der Bettlerweg bis heute weiterlebt, zeigt auch die Unterstützung durch die Ortsgemeinden Bad Ragaz und Valens-Vasön, sowie dem Jodlerklub Alperösli. Im Wappen der Gemeinde Bad Ragaz steht das Tatzenkreuz – ein uraltes Zeichen für Schutz, Hilfe und Mitgefühl. Es erinnert uns daran, dass Menschlichkeit zeitlos ist. So bleibt der Weg offen – für Erinnerungen, Erkenntnisse und neue Begegnungen, die den Geist vergangener Zeiten weitertragen.
Infotafel auf Pardiel (Pizol) beim Einstieg des Bettlerweges