Im Tristeli
Weggabelung und Grenzpunkt
Hier am Tristeli teilt sich der historische Weg. Der Name «Tristeli» bedeutet «drei Stellen» oder «drei Punkte» (vom lateinischen tres = drei) und weist auf eine alte Weggabelung oder einen markanten Grenzpunkt hin.
In der Gegend des Tristeli liegt ein Geländeabschnitt, der «Afrika Wald» genannt wird. Wanderer, Einheimischer oder Flurnamenforscher – hast du vielleicht eine bessere Erklärung? Liegt es an der wilden Bewaldung, einer exotischen Anmutung oder verbirgt sich dahinter eine alte Überlieferung?
Von der Gems Jagd
Unter allen Arten der Weidewerkskunst gilt die Jagd auf Gemsen als eine der beschwerlichsten und zugleich gefährlichsten.
Der Jäger darf weder Fleiss noch Mühe scheuen, muss die Stellungen und Bewegungen des scheuen Wildes mit scharfem Blick erkennen und Frost, Hitze sowie allerlei Ungemach willig erdulden. Nicht selten gerät er dabei in Leib- und Lebensgefahr. Da ihm meistens keine Hunde zu Hilfe stehen, muss er zugleich Jäger und Jagdhund in eigener Person sein.
Seine Ausrüstung ist schlicht und auf das Nötigste beschränkt: ein rauer Kittel schützt ihn vor Wind und Wetter, Geschoss, Pulver und Kugeln trägt er stets bei sich. Ein kleines «Ränzlein», ein Rucksack oder Tragbeutel, enthält sein spärliches Labsal – dürres Fleisch, ein wenig Käse und Brot. Ein Paar eiserne Schuheisen, die er über das Schuhwerk legt, ermöglichen ihm das sichere Klettern über die gächen, das heisst steilen, jähen Felsen und über blankes Gletschereis.
Seine Herbergen auf solcher beschwerlicher Fahrt sind die «Senten» - schlichte Sennhütten der Alpen, wo die Sennen während der Sommermonate Mich und Käse bereiten. Dort findet der ermüdete Jäger seine Erlabung, nämlich eine einfache Stärkung an Milchspeisen.
Seine Ausspanne – Rast oder Nachtlager – nimmt er auf karger Lagerstatt, auf blosser Erde oder, wenn das Glück hold ist, auf einer Lage Heu.
So zieht er auf schmalen Pfaden, über schroffe Halden und blinkende Firne, dem Wild auf der Spur, stets bereit, Gefahren zu trotzen und Entbehrungen zu tragen.
Im Sarganserland, wo die Jagd in festen Revieren vergeben war – eine Praxis, die seit dem 19. Jahrhundert üblich wurde, stand das Jagdrecht nur dem jeweiligen Pächter zu. Dieser war für die Hege und Pflege des Wildes verantwortlich und konnte seine Beute über mehrere Jahre hinweg im selben Gebiet verfolgen.
Anders im benachbarten Bündnerland: Dort herrschte das alte System der Patentjagd, bei dem jedermann, der ein Jagdpatent löste und eine Prüfung bestanden hatte, während einer kurzen, bestimmten Zeit frei jagen durfte. Die raue Landschaft verlangte dem Waidmann alles ab; in der kurzen Hochjagd galt es, Entschlossenheit, Ausdauer und Vorsicht zu beweisen.
Infotafel bei der Alp Tristeli unterhalb des Bettlerweges