Alpen Lasa, Branggis und Dreher

Geschichte und Nutzung

Die Alp Lasa befindet sich auf einem sonnigen Hochplateau oberhalb von Valens und ist heute in drei Abschnitte gegliedert. Ihre Nutzung und Besitzverhältnisse können folgendermassen zusammengefasst werden:

Heutige Besitzverhältnisse

Die Alp ist aufgeteilt in:

  • Dreher und Lasa (Ortsgemeinde Valens-Vasön – früher OG Vasön)

  • Lasa / Branggis (Ortsgemeinde Valens-Vasön – früher OG Valens)

  • Ragazer Lasa (Ortsgemeinde Bad Ragaz, verpachtet an die OG Valens-Vasön)

 Vereinbarung zur Teilung der Alp Lasa zwischen Ragaz, Valens und Vasön

Am 10. August 1626 wurde die Alp Lasa in zwei Teile aufgeteilt. Der hintere Teil der Alp, der an Zanai grenzt, erstreckt sich bis zum großen Tobel vor der Kemeten gegen Lasen hin. Die Grenze (March) verläuft durch dieses Tobel hinauf bis zum Grat und von dort hinab bis zum grossen Bach. Auch der sogenannte Laubboden, der gegen und neben dem Geren liegt, gehört zu diesem Teil. Dies bildet den ersten Anteil an der Alp.

Der vordere Teil der Alp hingegen, der gegen Branggis liegt, bildet den zweiten Anteil. Zur genauen Abgrenzung zwischen diesen beiden Teilen wurden Marksteine (Marchsteine) gesetzt. Einer dieser Grenzsteine befindet sich unterhalb des Müllibachs, oberhalb des Weges, bei einem auffälligen großen Stein. Sollte dieser Stein jedoch einmal verrückt oder entfernt werden, so gilt eine alternative Grenzbeschreibung: Innerhalb des Bachs auf der Valenser Seite befindet sich ein markanter Felssporn, genannt Reese Egg, zwischen zwei Runsen – schmalen Wasserrinnen, die durch Erosion im steilen Gelände entstanden sind. Die Reese Egg diente somit als natürliches, auffälliges Ersatzzeichen der Grenze.

Zusammenfassung der Alpstatistik 1864

Die Schweizerische Statistik «Die Alpwirtschaft in der Schweiz im Jahre 1864»  über die Alpen der Gemeinden Pfäfers, Ragaz und Vilters zeigt ein differenziertes Bild der damaligen Alpwirtschaft. Viele Alpen litten unter Naturgefahren wie Lawinen, Felsstürzen und Steinschlag, was sich in den Bewertungen als wild, gefährlich, mittelmässig oder nicht sehr gut niederschlug. Teilweise fehlten Investitionen über Jahre, und in einigen Fällen wurden für Räumungen jährlich bis zu Fr. 200 aufgewendet.

Bei den Viehbeständen sind deutliche Unterschiede sichtbar: Während Alpen wie Pardiel und Lasen solide Kuhbestände und nennenswerte Käse- und Butterproduktion aufwiesen, verzeichneten andere wie Brändlisberg und Tersol (Privatalp) einen Rückgang der Nutzung.

In der Milchverarbeitung wurde neben Käse und Butter auch Zieger produziert. Aufgrund gestiegener hygienischer Anforderungen ist die traditionelle Ziegerherstellung heute praktisch verschwunden.

Insgesamt zeigt die Statistik die Abhängigkeit der Alpwirtschaft von Naturbedingungen, Pflegezustand und Infrastrukturmassnahmen.

Alptermine und Festlichkeiten

Im Jahr 1864 betrugen die Alpzeiten zwischen 92 und 106 Tagen, was einer Bewirtschaftungs-dauer von etwa drei bis dreieinhalb Monaten entsprach. Der Alpbeginn lag in der Regel zwischen Mitte und Ende Juni, das Ende der Alpzeit fiel je nach Witterung und Graswuchs auf einen Zeitpunkt im September.

Drei bedeutende landwirtschaftliche Feste, die mit dem Ende der Erntezeit und der Viehzucht verbunden sind, prägen den Kalender der alpinen Nutzung:

In der Regel sollte das Jakobifest am St. Martinstag gefeiert werden, aber in solcher Jahreszeit wäre ein Fest in St. Martin (Calfeisental) nicht möglich. Daher verlegte man das Fest auf den Sonntag nach Jakobi, also in die zweite Hälfte des Monats Juli.  Da ist der Weg frei und ohne Lawinengefahr. Die Musikgesellschaft Vättis lädt dann einmal mehr zum Jakobifest auf dem Festplatz Büel in Vättis ein.

Vacca Grassa (= fette Kuh) feiert am 29. September die Präsentation und Schlachtung von besonders gemästeten Tieren, besonders Kühen. Dieser Tag, auch als Michaelstag bekannt, war traditionell ein Fest in ländlichen Gebieten, bei dem das Ende der Mastzeit und die Vorbereitungen für den Winter gefeiert wurden.

Der Martinstag am 11. November ist dem Heiligen Martin gewidmet und markiert das Ende des landwirtschaftlichen Jahres. An diesem Tag wurden Tiere, besonders Gänse, geschlachtet und für den Wintervorrat vorbereitet. In vielen Regionen Europas ist das Martinsgansessen ein fester Brauch.

Zusätzlich war der 11. November in früheren Zeiten auch ein wichtiger Zinstag. An diesem Tag wurden oft die Zinsen für landwirtschaftliche Pachtverträge oder Darlehen beglichen, was dem Tag eine besondere wirtschaftliche Bedeutung verlieh.

Alpabfahrt und Fest in Valens

Die Alpabfahrt in Valens ist ein bedeutendes Ereignis im Jahreskreis der Alpgenossenschaft und markiert das Ende des Weideaufenthalts der Tiere auf den höheren Alpen. Traditionell findet die Rückkehr der Viehherden im Herbst statt, wenn die Tiere geschmückt von den Alpen hinunter ins Tal getrieben werden. 

Ein besonderer Höhepunkt der Alpabfahrt ist die Viehprämierung: Juroren begutachten die Tiere und zeichnen die besten Herdenführer für ihre Gesundheit und Qualität aus. Diese Auszeichnung ist für die Viehbesitzer ein stolzer Moment und wird oft mit Begeisterung erwartet. Neben der Prämierung der Tiere wird das Ereignis mit einem Fest in Valens gefeiert, bei dem die Sennhüttenbewohner, Viehbesitzer und Dorfbewohner zusammenkommen. Es gibt lokale Spezialitäten, Musik und eine lebendige Atmosphäre, die das Gemeinschaftsgefühl stärkt. Die Alpabfahrt ist somit nicht nur ein landwirtschaftlicher Brauch, sondern auch ein Fest der Tradition, des Erfolgs und des ländlichen Lebens.

Alp Dreher – Funktion und Bedeutung

Die Alp Dreher nahm historisch eine besondere Stellung ein.
Es handelte sich um ein relativ kleines, vorgelagertes Alpgebiet, das strategisch zwischen den tiefergelegenen Heimweiden und den Hochalpen wie Lasa lag. Dreher wurde hauptsächlich für das Vorsömmern oder für die Haltung von Jungvieh genutzt, bevor das Vieh auf die höheren Alpen aufgetrieben wurde.

Der ursprüngliche Name Treije – später zu Dreher gewandelt – deutet darauf hin, dass diese Fläche weniger eine eigenständige Alp war, sondern vielmehr als Sammel- und Wendepunkt im Viehtrieb diente. Hier wurde das Vieh „gedreht“ oder „geordnet“, bevor es den weiteren Aufstieg antrat.

Auf dem Plan von 1734 sind in diesem Gebiet mehrere Häuser und Ställe eingezeichnet. Diese Bauten dienten während des Frühjahrs und Frühsommers als wichtige Rast- und Übergangsstation.

Die Hirten und Viehbesitzer hielten hier ihre Tiere für einige Wochen, bevor sie den beschwerlichen Aufstieg in die Hochalpen antraten. Es war die Zeit des Vorsömmerns, in der das Vieh langsam an die karge, hochgelegene Weide angepasst wurde. Die Ställe boten Schutz vor der kühlen Bergnacht, während die Herden tagsüber auf den grünen Weiden der Dreher weideten.

Diese saisonale Nutzung war für den Viehauftrieb von entscheidender Bedeutung: Sie sicherte nicht nur die Gesundheit der Tiere, sondern auch eine geordnete und effektive Fortführung des Auftriebs auf die Hochalpen.

Um den geordneten Durchtrieb zu gewährleisten und die Flächen zu schützen, bestand eine strenge Zaunpflicht.

Zaunpflicht auf den Alpen Lasa und Branggis – im Lichte früherer Grenzstreitigkeiten

Die wiederkehrenden Grenzstreitigkeiten im alpinen Raum, wie sie etwa 1599 zwischen den Alpbewirtschaftern von Siez und Tulis bei Salez ausbrachen, führten vielerorts zur Einführung verbindlicher Zaunpflichten.

Auch die Alpen Lasa und Branggis blieben davon nicht verschont: Um das unbefugte Übertreten des Viehs über die jeweiligen Weidegrenzen und damit verbundene Besitzansprüche zu verhindern, mussten klare, dauerhafte Grenzzäune errichtet werden.
Die jeweiligen Alpgenossenschaften waren verpflichtet, die Zäune auf eigene Kosten zu erstellen, zu unterhalten und in gutem Zustand zu halten.

So sollte das Zusammenleben der Sennhütten und das Recht auf Nutzung der wertvollen Sommerweiden friedlicher und geregelter verlaufen.

Allmeinden, Maiensässe und Alp Dreher – Unterschiede und ihre jeweilige Bedeutung im Alpwesen

Die Alp Dreher nahm eine besondere Stellung zwischen diesen beiden Typen von Weidegebieten ein. Sie war keine echte Allmend, sondern ein vorgelagertes, strategisches Gebiet, das hauptsächlich für das Vorsömmern und den Viehauftrieb auf die höheren Alpen genutzt wurde. Im Gegensatz zu den Allmeinden, die oft als endgültiger Weideort im Hochsommer dienten, war der Dreher eine Art Übergangsstation und ein Wendepunkt für den Viehtrieb.

Die Alp Dreher kann daher als eine Mischform zwischen einem Maiensäss und einer Allmend betrachtet werden. Wie das Maiensäss war sie eine Übergangsweide, aber sie diente nicht nur als Vorbereitung auf den Aufstieg zu den Hochalpen, sondern auch als saisonale Sammelstelle für das Vieh, das hier vor dem endgültigen Auftrieb in die höheren Lagen zusammengeführt wurde.

Im Vergleich zu einem Maiensäss war die Alp Dreher nicht so hoch gelegen, aber sie hatte ebenfalls eine wichtige Funktion als Zwischenstation und als Pufferzone zwischen den tiefergelegenen Heimweiden und den hohen Alpengebieten.

Wegen ihrer Lage diente die Alp Dreher auch als Durchgangs- oder Sammelplatz für die Viehherden, die auf dem Weg zur Alp Lasa waren. Daraus ergab sich eine doppelte Funktion: einerseits eigene Nutzung durch die Berechtigten, andererseits als Transitraum für die Viehtriebe der umliegenden Gemeinden. Diese Nutzung erforderte klare Regelungen, insbesondere zur Zaunpflicht, damit Konflikte zwischen den Viehbesitzern vermieden wurden.

Eine anschauliche Erklärung bietet das Wappen der Ortsgemeinde Valens, das die Allmeinden in grün darstellt, während die Dreiberge ebenfalls in grün die Valenserberge symbolisieren.

Sennereibetrieb

Auf den Alpen Branggis und Lasa wurde traditionell Sennerei betrieben. Der bekannte Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer beschrieb diesen Betrieb mit grosser Detailtreue. Die Arbeit erfolgte damals ohne moderne Geräte – mit einfachen Mitteln, aber grosser Geschicklichkeit.

Typische Gerichte der Sennen: Fenz, Nidelsuppe und weitere alpine Spezialitäten

Die Fenz ist ein traditionelles alpines Gericht aus Mehl, Milch und Butter, oft verfeinert mit Käse oder Schinken, das als nahrhafter Brei oder dicke Suppe serviert wird. Die Nidelsuppe besteht aus Sahne und Brot, wird mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt und ist eine einfache, cremige Mahlzeit. Weitere typische Gerichte der Sennen sind Käse, Rösti, Sennensuppe (mit Karotten, Kartoffeln und Zwiebeln) und Bergwurst oder Speck, die alle nährend und schnell zuzubereiten sind, um den körperlich anspruchsvollen Alltag der Alpenbewohner zu unterstützen.

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