Tafel 5: Mühle und Stampfe im Mühletobel

Infotafel oberhalb des Zanaibachs (Mühlibach) - Wanderweg ab Valens Glarinaweg Richtung Vasön

Mühle und Stampfe im Mühletobel

(Text: Töni Brunold, Bad Ragaz)

„GLÜCK ZU“ – so lautet der traditionelle Müllergruß. Sein Ursprung liegt in der Zeit, als die Müllergesellen auf Wanderschaft gingen und das Glück von Mühle zu Mühle trugen. Der Gruss sollte Müller und Mühle vor Unheil bewahren, bedeutete aber auch „GLÜCK ZU AUF ALLEN WEGEN“ – sowohl für eine sichere Wanderschaft als auch für eine glückliche Hand im Umgang mit der Mühlentechnik.

Glück konnte der Müller in der Tat gut gebrauchen. Hochwasser und Lawinen drohten seinem Anwesen. Mühlsteine konnten sich durch den schnellen Lauf erhitzen oder gar zerspringen, und Antriebsräder konnten brechen. Im Sommer wurde das Wasser knapp, im Winter erstarrte es zu Eis.

Die ersten Mühlen in der Herrschaft Freudenberg werden im 13. Jahrhundert in den Regesten der Benediktinerabtei Pfäfers erwähnt. Seit 1479 ist die Familie Karli, auch Karlett genannt, als Besitzer der ältesten Badehäuser auf der Brücke über der Taminaschlucht nachweisbar. Am 23. September 1480 verkauften die Karlett ihre Häuser mit allen dazugehörenden Rechten an das Kloster Pfäfers, blieben jedoch weiterhin im Badegewerbe aktiv. Im Jahr 1489 besaß ein Karli die Mühle und Stampfe unter Valens als Erblehen des Klosters, und 1491 wird ein Haus im Bad als Sicherheit für eine Rente erwähnt.

Der ehemalige Saumweg von Valens nach Vasön und Mapragg war beim Mühletobel durch ein Hindernis blockiert. Heute steht dort ein moderner Steg, und eine Brücke ermöglicht den Zugang zur gegenüberliegenden Talseite nach Rauslis und Vadura.

Ein Urbar von 1710 – ein Besitz- und Abgabenverzeichnis des Klosters Pfäfers – belegt, dass die Pfarrkirche Valens über Einkünfte verfügte (Pfarrarchiv Vilters, Urbar von 1710). Das angebaute oder eingeführte Getreide musste in herrschaftlichen Zwangsmühlen verarbeitet werden, die für die Dorfgemeinschaften eine monopolartige Stellung hatten. Flurnamen unterhalb von Vasön wie „Korengaden“ und „Korenboden“ verweisen auf den Getreideanbau, insbesondere von Gerste, Roggen, Weizen und Dinkel.

Das Jahr 1740 war eines der kältesten während der Kleinen Eiszeit (ca. 1300–1850), die durch eine Kombination aus verringerter Sonnenaktivität und verstärkter vulkanischer Aktivität verursacht wurde. Die extreme Kälte führte zu Missernten, Hungersnöten und einer erhöhten Sterberate – eine besonders harte Belastung für die alpine Bevölkerung. Ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte von Valens war der verheerende Dorfbrand vom 21. Mai 1755, der fast das gesamte Dorf zerstörte und dramatische Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung hatte.

Der Grundbesitz des Klosters Pfäfers bestand aus Lehensgütern, die überwiegend von Hörigen bewirtschaftet wurden. Die wichtigsten Abgaben waren der unveränderliche Grundzins und der vom Ernteertrag abhängige Zehnt, der in Form von Milchprodukten, Getreide und Hühnern entrichtet wurde. Mehrerträge führten zu verstärkten Bestrebungen zur Bodenverbesserung. Versuche, den Naturalzins durch Geldzahlungen zu ersetzen, scheiterten jedoch am Widerstand der Bauern. Besonders belastend waren Sonderabgaben wie die Fallpflicht – die Abgabe des besten Stücks Vieh beim Tod des Hausvaters – oder der „Ehrschatz“ bei Besitzübertragungen.

Wasserkraft und Handwerk

Mühlen, Stampfen, Sägen und Kalköfen im Klosterterritorium

Seit dem Mittelalter spielten Mühlen, Stampfen, Sägen und Kalköfen eine zentrale Rolle in der Wirtschaft des Klosterterritoriums. Bereits 1288 wird die Mühle von Vilters urkundlich erwähnt, und über die Jahrhunderte entstanden weitere Getreidemühlen in Ragaz, Pfäfers, Valens und Vättis. Auch die Saarmühle hatte eine bedeutende Funktion in der Region. Zusätzlich zu den Mühlen nutzte man die Wasserkraft für das Stampfen, das nicht nur der Getreideverarbeitung diente, sondern auch zum Walken von Stoffen, zum Zerkleinern von Baumrinde zur Gerbstoffgewinnung oder für weitere handwerkliche Zwecke.

Neben den Mühlen waren auch Sägen von großer Bedeutung. In Valens gibt es noch heute eine historische Säge, die als kleines Museum erhalten geblieben ist. Eine weitere befand sich bei Mapragg, die nächste beim Sagentobel. Die Wasserkraft wurde dort genutzt, um die Holz-wirtschaft der Region zu unterstützen.

Für die Bautätigkeiten, insbesondere im Bad Pfäfers, waren zudem Kalköfen unerlässlich. Sie lieferten den gebrannten Kalk, der für den Bau von Mauern, Gewölben und Gebäuden benötigt wurde. Standorte von Kalköfen in der Region sind historisch belegt und zeigen, wie eng Landwirtschaft, Handwerk und Bauwesen im Taminatal miteinander verknüpft waren.

Besonders das Mühletobel bei Valens war ein wichtiger Standort, an dem im 15. Jahrhundert eine Mühle und Stampfe betrieben wurden. Die folgende Chronik gibt Einblick in die Geschichte dieser Betriebe und ihrer Besitzer über mehrere Jahrhunderte.

Kleine Chronik der Valenser Mühle

Seit 1479 lässt sich die Familie Karli oder Karlett von Valens als Inhaber der ältesten Badehäuser auf der Brücke über der Taminaschlucht nachweisen. Die Karlett verkauften am 23. September 1480 ihre Häuser mit allen dazugehörenden Rechten an das Kloster Pfäfers, dennoch scheinen sie aber weiterhin im Badegewerbe tätig geblieben zu sein: 1489 besass ein Karli die Mühle und Stampfe im Tobel unter Valens vom Kloster Pfäfers zu Erblehen und 1491 wird das Haus «zuo Pfefers im bad im tobel, das under Hannsen Mosers hus uebern bach gät», als Sicherheit für eine Rente genannt.

Die Bad- und Wirtshäuser in der engen Taminaschlucht waren nur auf steilen Wegen von Pfäfers und Valens her erreichbar. Im 15. Jahrhundert mussten gemäss eines Ragazer Landgerichtsentscheids die Knechte die Verbrauchsgüter und den Wein zu Fuss an Stangen von Valens hinunter ins Bad Pfäfers tragen. Die Nachbarn von Valens sorgten sich nämlich um ihre Felder, die durch rücksichtsloses Reiten und Säumen geschädigt werden könnten.

Marti Müllers Ewig Erblehen laut Brief No. 122 verliehen, zinset jährlich zehen Schilling Pfennig. von und ab - Der Mülli, Stampf und Guth in dem Tobel unter Valens gelegen. Stosst einwärts gegen Vasön an Mülli Bach, und an die Landstrass, gegen dem Tobel an die Allmeind, und den so genannten Gitzistein, gegen Vallens an Ambrosi Mathis Richter Frantz Brüösch, Ursula Suterin, Hans Jog Uölis, und Bernard Uöli, Lisabeth Uölin Seel. Erben alles Eigen guth, Clarina genannt, auswerts an die Allmeind.

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Tafel 6: Johann Jakob Scheuchzer 1672-1733 

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Tafel 4: Die Walser und ihr Erbe