Tafel 6: Johann Jakob Scheuchzer 1672-1733 

Infotafel

(Text: Töni Brunold, Bad Ragaz)

Noch im 17. Jahrhundert galten die Alpen für viele als lebensfeindliche Wildnis, bevölkert von Dämonen und Fabelwesen. Orte wie das Drachenloch ob Vättis, wo man Knochen fand, die lange für Überreste von Drachen gehalten wurden, bestärkten diesen Glauben. Dennoch begann eine neue Generation von Schweizer Gelehrten, das Interesse der gebildeten Oberschicht auf die Bergwelt zu lenken-zunächst mit geringer Resonanz. Mit Naturforschern wie Scheuchzer und Dichtern wie Haller setzte jedoch ein grundlegender Wandel in die Wahrnehmung der Alpen ein.  

Wer über Berg und Tal, durch Schnee und Eis will reisen,
Der muss sich wohl versehen mit allerhand Gezeug,
Mit Stab und Hacken auch, mit Schuhen und mit Eisen,
Sonst fällt er in den Schnee und bricht vielleicht den Neug.
So, der die Wissenschaft der Natur will durchdringen,
Muss wohl versehen sein mit vielerlei Verstand,
Mit Fleiss und Wachsamkeit und allem dem, was not,
Sonst fällt er in den Irrtum und bricht sich Hals und Bein.

Johann Jakob Scheuchzer besuchte das Sarganserland vermutlich während seiner Forschungs-reisen in den Schweizer Alpen, die er ab 1702 regelmäßig unternahm. Ein konkreter Hinweis auf einen Aufenthalt in dieser Region ist seine zweite Bergreise im Juli 1703. Zudem ist bekannt, dass er 1705 eine umfassende Reise unternahm, die ihn durch die Ostschweiz und damit auch ins Sarganserland führte.

Sein bekanntestes Werk, "Helvetiae Historia Naturalis", ist eine umfassende naturhistorische Darstellung der Schweiz. Zunächst vertrat er biblische Deutungen der Natur, wie in seiner Schrift "Physica Sacra", in der er Naturphänomene mit biblischen Erzählungen verband. Später wandte er sich zunehmend an wissenschaftlichen Beobachtungen und experimentellen Methoden..

Johann Jakob Scheuchzers "Itinera Alpina" ist eine Sammlung seiner Berichte über Reisen in die Alpen und enthält zahlreiche wissenschaftliche Beobachtungen und Theorien. Die wichtigsten Kapitel und Themen basieren auf den bekannten Schwerpunkten des Werks:

  • Geographische Beschreibungen

  • Geologie und Fossilienkunde

  • Flora und Fauna der Alpen

  • Meteorologische Phänomene

  • Quellen und Flüsse

  • Reiseberichte und Begegnungen

  • Biblische und theologische Bezüge

  • Karten und Illustrationen

Das Itinera Alpina zählt zu den frühesten wissenschaftlichen Werken, die sich systematisch mit der Erforschung der Alpen befassten. Es verband Naturwissenschaft, Theologie und Reisebeschreibung und machte sowohl die Schönheit als auch die wissenschaftliche Bedeutung der Alpen einem breiteren Publikum zugänglich.

Scheuchzer zählt zu den Pionieren der modernen Alpenforschung und hinterliess ein bedeutendes wissenschaftliches Erbe. Seine Arbeiten hatten grossen Einfluss auf die naturwissenschaftliche Forschung in der Schweiz und darüber hinaus. Auf seinen Reisen erfasste er systematisch die Natur der Schweiz. Das Sarganserland war dabei eine bedeutende Station, da es mit seiner geologischen Vielfalt und eindrucksvollen Landschaft zahlreiche faszinierende Phänomene bot. Besonders die Tektronikarena Sardona, heute UNESCO-Weltnaturerbe, hätte ihn zweifellos interessiert-die dort sichtbare Überschiebung der Gesteinsschichten ist ein eindrucksvolles Zeugnis der alpinen Gebirgsbildung.

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Tafel 7: Fürstabt Bonifaz II. zur Gilgen 1664-1725

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Tafel 5: Mühle und Stampfe im Mühletobel